VON THORSTEN GÖDECKER

Kreis Gütersloh. Mit gefalteten Händen verfolgte FDP-Urgestein Hartwig Fischer den Untergang seiner Partei in Säulendiagrammen. Neben ihm registrierte Landrat Sven-Georg Adenauer fast beiläufig seine Wiederwahl. Mit einem Siegerlächeln kam Udo Hemmelgarn, der Kreisvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), in die Wahllobby. Aus dem Stand holte die Partei 3,73 Prozent (vorläufige Zahlen).

Als rheinischer Gentleman erwies sich Landrat Sven-Georg Adenauer, der als alter und neuer Hausherr seine Herausforderin Elvan Korkmaz im Kreishaus begrüßte. Er dankte der 28-Jährigen für den fairen Wahlkampf. "Ich bringe viele neue Themen mit in den Kreistag", versprach Korkmaz, die mit fast 39 Prozent mehr als ein Achtungsergebnis für die heimischen Sozialdemokraten einfuhr.

Während Adenauer mit 61,72 Prozent noch einmal 5,01 Prozent in Vergleich zu seinem Ergebnis von vor fünf Jahren zulegen konnte, verbesserte Korkmaz die SPD-Zahl von Ulrike Boden um 8,2 Prozent auf 28,28 Prozent. Relativiert werden die Zuwächse durch den Umstand, dass sich 2009 vier Kandidaten um das Landratsamt beworben hatten.

Geduldig ertrugen FDP-Fraktionschef Michael zur Heiden und sein Parteifreund Hartwig Fischer die Pulverisierung der Liberalen. Die FDP verliert 4,66 Prozent und kommt nur noch auf 3,39 Prozent. "Wir können auch im Kreis Gütersloh den Trend nicht drehen – das ist echt bitter", sagte Hartwig Fischer. Während Fischer trauerte, sah man mit CDU-Fraktionschef Heinz Josef Sökeland und UWG-Vorstandsmitglied Peter Kalley zwei mögliche Koalitionäre im Gespräch versunken. Kalley zeigte sich allerdings nicht zufrieden mit dem UWG-Ergebnis, das mit 6,48 Prozent (- 1,08) deutlich hinter den Erwartungen zurück blieb.

Die Grünen stabilisierten sich bei 11,61 Prozent(+0,28).

Der SPD-Kreisvorsitzende Hans Feuß war sich sicher: "Wir haben den Riegel aus FDP und CDU aufbrechen können." Die 26,81 Prozent (+ 2,19) seien ein gutes, aber kein Superergebnis, sagte Feuß. Großes Lob zollte Feuß Landratskandidatin Elvan Korkmaz, die einen "tollen Job" gemacht habe. Die Gelobte wollte gestern nicht beantworten, ob sie im neuen Kreistag den Fraktionsvorsitz ihrer Partei anstrebe. Mit höheren Zugewinnen der SPD hatte Ralph Brinkhaus, der CDU-Kreisvorsitzende gerechnet. "Es war vorauszusehen, dass die SPD zulegen wird, hat sie doch vor fünf Jahren ein sehr schlechtes Ergebnis eingefahren." Wichtig sei nur, dass die CDU bestimmende politische Kraft im Kreis Gütersloh bleibe. Mit 44,49 Prozent (+0,33 habe man dieses Ziel erreicht. Selbstverständlich nahm Brinkhaus zur Kenntnis, dass Sven-Georg Adenauer in den Augen von fast zwei Drittel der Wähler über jeden Zweifel erhaben ist.